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Wahlprogramm der Linken: Die wichtigsten Positionen im Überblick
Wahlprogramm der Linken: Die wichtigsten Positionen im Überblick
Wer nach dem „Wahlprogramm der Linken“ sucht, sollte zuerst klären, auf welches Dokument sich die Suche bezieht. Der folgende Überblick behandelt das Bundestagswahlprogramm 2025, das Die Linke auf einem außerordentlichen Bundesparteitag am 18. Januar 2025 beschlossen hat. Es ist damit ein Wahlprogramm für eine konkrete Bundestagswahl – nicht automatisch eine vollständige Beschreibung aller späteren Positionen der Partei. Das langfristigere Parteiprogramm ist ein anderes Dokument.
Bei der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 erhielt Die Linke laut Bundeswahlleiterin 8,8 Prozent der Zweitstimmen und 64 Sitze. Im 21. Deutschen Bundestag bildet sie wieder eine Fraktion. Wer das Programm heute liest, kann es daher sowohl als Dokument des Wahlkampfs 2025 als auch als wichtige Referenz für politische Forderungen der Partei in der laufenden Wahlperiode verstehen. Für aktuelle Einzelpositionen sollte man zusätzlich neuere Beschlüsse und parlamentarische Initiativen prüfen.
Ein Wahlprogramm lässt sich am besten Themenblock für Themenblock lesen: Entscheidend ist, zwischen konkreten Forderungen, langfristigen Zielen und späteren politischen Beschlüssen zu unterscheiden.
Was sollte man vor dem Lesen wissen?
Ein Wahlprogramm ist ein politisches Angebot für eine bestimmte Wahl. Es enthält Ziele, Gesetzesvorhaben und Prioritäten, aber keine Garantie, dass diese später vollständig umgesetzt werden. Dafür wären parlamentarische Mehrheiten, Haushaltsmittel und in vielen Fällen Änderungen bestehender Gesetze nötig. Manche Forderungen betreffen außerdem Bereiche, in denen Bund, Länder, Kommunen oder die Europäische Union gemeinsam zuständig sind.
Mindestlohn von 15 Euro; stärkere Tarifbindung; sanktionsfreie Mindestsicherung statt Bürgergeld.
Wohnen
Bundesweiter Mietendeckel; grundsätzlich sechs Jahre keine Mieterhöhungen; mehr öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsbau.
Steuern
Entlastung niedrigerer und mittlerer Einkommen; höhere Spitzensteuersätze; Wiedereinführung einer Vermögensteuer.
Rente und Gesundheit
Rentenniveau von 53 Prozent; Mindestrente von 1.400 Euro; solidarische Krankenversicherung, in die alle einzahlen.
Klima und Energie
Klimaneutralität bis 2040; soziales Klimageld; stärkere öffentliche Kontrolle zentraler Energieinfrastruktur.
Verkehr
Deutschlandticket für 9 Euro; kostenlos für Schüler, Auszubildende, Studierende und Senioren; Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Migration und Asyl
Festhalten am individuellen Asylrecht; Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag; Ablehnung von Zurückweisungen und vielen Abschiebungen.
Außen- und Sicherheitspolitik
Ablehnung weiterer Aufrüstung; keine Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete; mehr Diplomatie; langfristig europäische Sicherheitsordnung, die die NATO überflüssig machen soll.
Arbeit und soziale Sicherung: Was bedeutet „Mindestsicherung“?
Die Linke wollte den gesetzlichen Mindestlohn im Wahlprogramm auf 15 Euro pro Stunde erhöhen. Zugleich sollte das Bürgergeld durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden. „Sanktionsfrei“ bedeutet hier, dass die Leistung nicht wegen versäumter Termine oder abgelehnter Jobangebote gekürzt werden soll. Als Zielgröße nannte die Partei 1.400 Euro monatlich; für Ballungsräume sollte zusätzlich ein Zuschuss zu hohen Wohnkosten möglich sein.
Auch in der Alterssicherung setzt das Programm auf höhere gesetzliche Leistungen. Die Partei fordert ein Rentenniveau von 53 Prozent. Das Rentenniveau beschreibt vereinfacht das Verhältnis einer standardisierten gesetzlichen Rente zum durchschnittlichen Arbeitseinkommen. Zusätzlich sieht das Programm eine solidarische Mindestrente von 1.400 Euro vor und eine Regelaltersgrenze von 65 Jahren; nach 40 Beitragsjahren soll ein abschlagsfreier Renteneintritt ab 60 möglich sein.
Wohnen: Was ist mit einem bundesweiten Mietendeckel gemeint?
Beim Wohnen gehört der Mietendeckel zu den bekanntesten Forderungen. Ein Mietendeckel ist eine gesetzliche Begrenzung der Miethöhe beziehungsweise von Mieterhöhungen. Die Linke fordert, Mieterhöhungen grundsätzlich für sechs Jahre auszuschließen. In angespannten Wohnungsmärkten sollen besonders hohe Mieten abgesenkt werden können. Indexmieten und Staffelmieten will die Partei stärker begrenzen beziehungsweise abschaffen.
Daneben setzt sie auf mehr Wohnungen in öffentlicher, kommunaler und genossenschaftlicher Hand. Die Idee dahinter ist, den Wohnungsmarkt weniger stark von renditeorientierten Eigentümern abhängig zu machen. Die Partei fordert außerdem, dass energetische Sanierungen und der Heizungstausch nicht zu steigenden Warmmieten führen.
Steuern: Wer soll mehr, wer weniger zahlen?
Das Steuerkonzept folgt einem Umverteilungsprinzip: Niedrige und mittlere Einkommen sollen entlastet, sehr hohe Einkommen und große Vermögen stärker belastet werden. Im Kurzwahlprogramm nennt Die Linke als Faustregel, dass Singles mit weniger als 7.000 Euro Bruttoeinkommen im Monat nach ihrem Tarif weniger Einkommensteuer zahlen sollen. Das steuerfreie Existenzminimum soll bei 16.800 Euro im Jahr liegen.
Der Spitzensteuersatz soll auf 53 Prozent steigen; für sehr hohe Einkommen nennt das Programm einen Satz von 75 Prozent. Hinzu kommt die Forderung nach einer Vermögensteuer. Sie ist eine regelmäßige Steuer auf Nettovermögen oberhalb eines Freibetrags. Nach dem Konzept der Partei soll sie bei Vermögen über einer Million Euro einsetzen, mit steigenden Sätzen für sehr große Vermögen. Die Details erläutert Die Linke auf ihrer offiziellen Themenseite zur Vermögensteuer.
Gesundheit: Was steckt hinter der „solidarischen Bürgerversicherung“?
Die Linke will die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung langfristig überwinden. Eine solidarische Bürgerversicherung bedeutet in diesem Modell, dass alle Menschen einzahlen und neben Arbeitseinkommen auch weitere Einkommensarten stärker einbezogen werden. Das Wahlprogramm verbindet dies mit dem Ziel, Beiträge für viele Versicherte zu senken und Zuzahlungen abzubauen.
Im Krankenhausbereich setzt die Partei stärker auf öffentliche und gemeinnützige Versorgung statt auf Gewinnerzielung. Für Pflege fordert sie bessere Arbeitsbedingungen und eine solidarische Finanzierung, die mehr Einkommen in die Beitragsbasis einbezieht.
Klima und Verkehr: sozialer Ausgleich statt höherer Alltagskosten
Die Linke nennt für Deutschland das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Klimaneutralität bedeutet, dass unter dem Strich nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als durch natürliche oder technische Senken gebunden werden. Gleichzeitig kritisiert die Partei den CO₂-Preis auf Heizen und Tanken in seiner damaligen Ausgestaltung, weil Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen dadurch belastet würden.
Als Ausgleich fordert das Wahlprogramm ein Klimageld von 320 Euro pro Person und Jahr, rückwirkend zum 1. Januar 2025. Ein Klimageld ist eine pauschale Auszahlung an Bürgerinnen und Bürger, die Einnahmen aus CO₂-Bepreisung teilweise zurückgibt. Beim Nahverkehr fordert Die Linke ein Deutschlandticket für 9 Euro monatlich und ein kostenloses Ticket für Schüler, Auszubildende, Studierende und Senioren.
Migration und Asyl: welche Linie verfolgt Die Linke?
Das Programm hält ausdrücklich am individuellen Recht auf Asyl fest. Geflüchtete sollen vom ersten Tag an eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis erhalten. Die Partei lehnt systematische Zurückweisungen an Grenzen sowie Verschärfungen ab, die den Zugang zu individuellen Asylverfahren einschränken. Auch Abschiebungen in Krieg, Verfolgung oder Elend lehnt sie ab.
Darüber hinaus fordert Die Linke sichere und legale Zugangswege, eine stärkere Finanzierung der Kommunen und eine dezentrale Unterbringung. Sie wendet sich gegen das europäische Grenzschutzmodell von Frontex in seiner bestehenden Form und fordert stattdessen ein ziviles europäisches Seenotrettungsprogramm.
Außenpolitik: Ukraine, NATO und Rüstung
Bei der Außen- und Sicherheitspolitik ist eine genaue Lektüre besonders wichtig, weil einzelne Aussagen verkürzt schnell missverständlich werden können. Das Wahlprogramm bezeichnet den russischen Angriff auf die Ukraine ausdrücklich als völkerrechtswidrig und fordert den Abzug russischer Truppen. Gleichzeitig lehnt Die Linke weitere Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete ab und fordert einen Strategiewechsel hin zu Verhandlungen, Waffenstillstand und internationalen diplomatischen Initiativen.
Die Partei lehnt das NATO-Ziel höherer Militärausgaben ab und will die Rüstungsausgaben deutlich senken. Langfristig strebt sie eine europäische Sicherheitsarchitektur an, die alle Staaten des Kontinents einbeziehen soll und nach ihrer Vorstellung die NATO überflüssig machen würde. Die Bundeswehr soll zu einer strukturell nicht angriffsfähigen Verteidigungsarmee umgebaut und aus Auslandseinsätzen abgezogen werden.
Wie lässt sich das Programm als Einsteiger sinnvoll prüfen?
Für einen schnellen Einstieg reicht es nicht, nur Überschriften oder einzelne Forderungen zu lesen. Sinnvoll ist ein dreistufiges Vorgehen: Zuerst das Kurzwahlprogramm lesen, dann bei Themen, die für die eigene Entscheidung besonders wichtig sind, in die Langfassung wechseln. Anschließend sollte man prüfen, ob die Partei ihre Position nach der Wahl verändert, präzisiert oder durch konkrete parlamentarische Anträge ergänzt hat.
Ein Beispiel: Wer sich besonders für Mieten interessiert, sollte nicht nur den Begriff „Mietendeckel“ notieren, sondern fragen, wie lange Mieterhöhungen ausgesetzt werden sollen, welche Ausnahmen vorgesehen sind und welche Gesetzgebungsebene zuständig wäre. Bei Steuerplänen ist wichtig, zwischen Einkommensteuer, Vermögensteuer und Erbschaftsteuer zu unterscheiden. Bei Außenpolitik wiederum sollte man Aussagen zu diplomatischen Zielen, Waffenlieferungen, Sanktionen und Bündnissen getrennt betrachten.
Welche typischen Fehler sollte man vermeiden?
Wahlprogramm und Parteiprogramm verwechseln: Das Wahlprogramm 2025 ist auf eine Bundestagswahl zugeschnitten; das Grundsatz- beziehungsweise Parteiprogramm hat einen langfristigeren Anspruch.
Einzelne Zahlen ohne Kontext übernehmen: Beträge wie 1.400 Euro Mindestsicherung oder 320 Euro Klimageld beziehen sich auf konkrete Programmmodelle und können in späteren Beschlüssen geändert werden.
Forderungen mit geltendem Recht verwechseln: Eine programmatische Forderung ist noch kein beschlossenes Gesetz.
Nur Parteiquellen für die Einordnung nutzen: Für Wahlergebnisse, Sitzverteilung und parlamentarischen Status sollten amtliche Quellen herangezogen werden.
Stand und Quellen
Stand dieser Übersicht ist September 2026. Sie fasst das Bundestagswahlprogramm 2025 zusammen und berücksichtigt amtliche Informationen zum Wahlergebnis und zum parlamentarischen Status. Das Programm wurde am 18. Januar 2025 beschlossen. Das endgültige Wahlergebnis weist für Die Linke 8,8 Prozent der Zweitstimmen und 64 Sitze aus. Der Deutsche Bundestag führt die Partei in der 21. Wahlperiode als Fraktion; die aktuellen Fraktionsangaben finden sich auf der offiziellen Seite des Bundestages zur Fraktion Die Linke.
Für die politische Bewertung empfiehlt es sich, die Forderungen mit den Programmen anderer Parteien, mit aktuellen Gesetzesvorschlägen und mit möglichen finanziellen beziehungsweise rechtlichen Folgen zu vergleichen. Dieser Überblick beschreibt die Positionen der Linken, ohne daraus eine Wahlempfehlung abzuleiten.